Zu Beginn der Nacht war das ganze Lager auf den Beinen, alle halfen dabei die Messstation zu sichern und sich gegenseitig aufzurüsten. Forba Fliesmeißel richtete ein reichhaltiges Mahl für alle Anwesenden aus, samt des dazu gehörigen Kruges Bier. Anschließend begann die lange Zeit des Wartens. Die Meisten zogen sich in ihre Zelte zurück, um Kräfte für den kommenden Tag zu schöpfen. Die Zwerge schliefen gerüstet, so waren sie vom Einen zum anderen Moment kampfbereit. Abwechselnd wachten immer Vier über das Lager bis sie abgelöst wurden.
Im Laufe der Nacht senkte sich der feuchte Nebel über Land und See, dicke Wolken und immer wieder einsetzender Regen machten dem Sumpfland alle Ehre. Feuchte Kälte kroch in die Zelte, legte sich über Decken, Kleidung, Rüstung und Haut der Schlafenden. Kroch in Fleisch und Knochen und ließ Menschen bibbern. Den tapferen Wachen wurde ihre Arbeit so nicht leichter gemacht. Einen Angriff bei diesen Widrigkeiten kommen zu sehen, war schlichtweg unmöglich. Das Feuer des Lagers ward durch den Regen erloschen und spendet so ebenso wenig Licht, wie der Mond oder die Sterne, die von dicken Wolken verborgen waren. Nur die Laternen der Wachen bildeten Markierungspunkte für die Aufwachenden und so waren sie gezwungen, immer einen Späher auszuschicken, der die Bewegungen am anderen Seeufer im Blick behielt. Nicht nur, dass weit und breit nichts zu sehen war, es schien als würde das gesamte Sumpfland schlafen. Man hörte den Regen auf die Zelte platschen, das Schnarchen aus den Zelten der Schlafenden und leise, gar flüsternde Gespräche derjenigen die nicht zum Schlaf fanden. Ansonsten aber herrschte Stille, kein Rascheln von Büschen oder Bäumen, kein Laut der üppigen Tierwelt. So zog sich die Nacht in die Länge, wachen, warten... warten und wachen.
Schon vor Sonnenaufgang waren die Meisten wieder auf den Beinen oder wurden von den bereits erwachten geweckt. Wer von seiner Pritsche steigt, wird von weichem und matschigen Grund empfangen. Bei jedem gemachten Schritt erklingt ein Schmatzen und lässt den Gehenden einsinken. Ein Blick oder ein gefühlvoller Tritt würde wohl ausreichen, um an der Haltbarkeit der Palisaden zu zweifeln, die von diesem Erdboden getragen werden. Ein kaltes Mahl wurde von Forba Fliesmeißel aufgetischt, um gestärkt dem möglicherweise kommenden Angriff entgegen stehen zu können. Die Waffen und Schilde griffbereit, ergingen die meisten Blicke gen Osten. Harrten dem Sonnenaufgang entgegen, der dem Lager einen ordentlichen Nachteil bescheren würde.
Die Nacht lichtete sich und wich einem dämmrigen Morgen, als der Himmel langsam aufhellte. Noch immer lag der Nebel über dem nassen Land, dass sich grau in grau vor den Augen der Reisenden erstreckte. Die erwartungsvolle Spannung, die einkehrende Nervösität stieg ins Unermässliche und fast jedem der anwesenden Zwerge war diese in seine Züge geschrieben.
Heute, zwei Abende später sind auch die letzten Spuren des Kampfes verschwunden, wenn man von den Verletzten absieht oder jenen die es schlussendlich doch nicht mehr geschafft haben. Das Wetter hält sich tapfer, wenig Regen und dann und wann bricht sogar der Anschein von Sonne durch die graue Wolkendecke. Forba Fließmeißel hat auch an diesem Tag für die Helfer Essen vorbereitet, so dass sie sich für die kommende Etappe stärken können. Zur Mittagszeit schon wurden die Reittiere aus dem Pass wieder herunter geführt, getränkt, gefüttert und abreisebereit gemacht. Sonderlich wohl scheinen sich die Tiere auf dem sumpfigen Grund allerdings nicht zu fühlen. Die Luft bleibt trotz der kämpfenden Sonnenstrahlen kühl und feucht. Ein sanfter Wind weht vom Norden über den See hinweg und schenkt dem Lager einen modrigen Geruch. Als wäre Essen und Unterkunft nicht genug gewesen, wird Loreen etwas abseits der Gruppe was in die Hand gedrückt. Was genau das nun war, ist wohl für die Gruppe nicht zu sehen gewesen, denn schnell wird es in einer der Gürteltaschen verstaut.
Nach einer Nacht voller Regenschauer, ist das Wasser in der Stadt wieder angestiegen. Vor allen Hauseingängen wurden zwei neue Schichten Sandsäcke gestapelt, die ansonsten zum leichteren Betreten wohl fortgenommen wurden. Demnach herrschte schon in der Nacht reges Treiben in der Stadt. Die verbliebenen Bewohner ackerten hart, um ihr Hab und Gut zu schützen, aber sie waren es derzeit schon gewohnt. Auch vor dem Gasthaus wurde eine Reihe Sandsäcke aufgeschichtet. Der ein oder andere der Gruppe hat das Werkeln in der Nacht vielleicht mitbekommen und mit Hand angelegt. Als Dank würde diesen Helfern am Morgen wohl ein reichhaltiges Frühstück angeboten. Brot, Wurst, Käse, Milch, Saft, Wasser, Bier, Eier - an nichts würde es da mangeln. Ansonsten machen wohl Gerüchte über die Ankunft eines fremden Zwergen die Runde, der angeblich der Forscherliga angehören soll. Gesehen aber hat ihn zuvor noch keiner. Er soll ein Zimmer im Gasthaus bezogen haben und hat sich für den frühen Abend einen Tisch freihalten lassen.
Der Himmel ist am Vormittag noch Wolkenverschleiert, hüllt das Land in ein tristes Grau in Grau. Erst zum Nachmittag hin lockert sich die Bewölkung auf und lässt den einen oder anderen Sonnenstrahl hindurch. Ein merkwürdiges Spiel von Regen, Sonne und Nebel das sich hier zeigt.
Für die Damen und Herren die zur Ausgrabungsstätte geeilt sind:
Der von der untergehenden Sonne rotgefärbte Himmel dunkelt schnell weiter ab und so versiegt auch der letzte rote Glanz. Kaum den Weg zur Ausgrabungsstätte hinauf gegangen, erstreckt sich ein rundes in Dunkelheit versinkendes Grabungsgebiet, eingekesselt von der Bergkette vor den Augen der Suchenden. Wie dämmrige, graue Riesen erscheinen die Berge am anderen Ende des Kessels und der Weg zu diesen Riesen ist gesähnt von unzähligen Löchern im Erdreich. Einige sind mit Holzbrettern überlagert, sndere sind nur dunkle Löcher und es wäre sicher ratsam um diese herum zu gehen.
Es herrscht absolute Stille an diesem Flecken, eine unnatürliche Stille. Als hätte sich alles Leben aus diesem Bereich verkrochen, wäre geflüchtet vor dem was hier ist. Man hört weder Vogel, noch Ratte, Maus oder Fliege, die einzigen Geräusche die zu vernehmen sind, sind jene der eigenen Gruppe. Den Atem des Nebenmannes, den eigenen Herzschlag und das rauschen des Blutes. Der erste Blick bestätigt das von Ohr vernommene – Leere. Die Ausgrabungsstätte, oder das was man von ihr gerade so noch erblicken kann ist leer. Weder ist der Knochenhaufen zu sehen, noch der vermeintliche Nekramant …. allerdings fehlt auch jede Spur des jungen Burschen.
Der Mantel der Nacht hat große Teile der steinernden Riesen am Ende des Ausgrabungsstätte verschlungen und breitet sich zügig weiter aus. Man kann förmlich zusehen, wie sich die samtene Decke über Erde, Stein und Grund spannt bis man kaum noch eine Hand vor Augen sehen kann. Kein Sternenglanz, kein Mondschein, keine Fackeln.